Die 10 bemerkenswertesten Leuchttürme in Lettland
Die lettische Küste erstreckt sich über mehr als 500 Kilometer entlang der Ostsee und des Rigaischen Meerbusens, einer der am intensivsten besegelten Binnenmeere Europas. Schon im Mittelalter kontrollierten die Livländischen Ritter und später die Hanse den Seeweg nach Riga; mit dem Wachstum des Rigaer Handels im 18. und 19. Jahrhundert wuchs auch der Bedarf an Navigationshilfen entlang der flachen, sandigen und bisweilen riffgespickten Küste. Das Russische Kaiserreich, unter dessen Herrschaft das heutige Lettland als Kurland und Livland verwaltete Gouvernements lag, baute ab den 1840er Jahren ein Netz von Leuchttürmen auf, das nach der Unabhängigkeit 1918 weitergeführt und in der Sowjetzeit erheblich ausgebaut wurde. Heute sind viele dieser Türme denkmalgeschützt und für Besucher geöffnet — einige sind sogar als Ferienhäuser eingerichtet.
1. Leuchtturm Kolka, Kolka
Der Leuchtturm Kolka steht auf einer flachen Sandnehrung am Ende des Kap Kolka, dem nördlichsten Punkt der Kurischen Halbinsel, wo der Rigaische Meerbusen auf die offene Ostsee trifft. Diese Gabelung von Strömungen ist berüchtigt; Hunderte von Schiffen sind hier auf den flachen Sandbänken gestrandet. Der heutige Turm, errichtet 1875 nach Plänen russischer Ingenieure, ist ein schlanker roter Backsteinzylinder von 23 Metern Höhe. Er zeigt ein weißes Blitzlicht mit einer Reichweite von 16 Seemeilen und drei roten Sektoren, die auf die Sandbänke um das Kap hinweisen. Kolka ist Teil des Slītere-Nationalparks; ein Küstenweg führt zum Kap, das Naturschutzgebiet ist und kein bewohntes Dorf mehr hat.
2. Leuchtturm Slītere, Slītere
Der Leuchtturm Slītere — auch Dundaga-Leuchtturm genannt — steht auf dem Steilhang des alten Baltischen Eiszeitkliffs am westlichen Ufer des Rigaischen Meerbusens, etwa zehn Kilometer südöstlich von Kolka. Der rot-weiß gestreifte Turm wurde 1849 errichtet und ist einer der ältesten erhaltenen Leuchttürme Lettlands. Er ist 38 Meter hoch und zeigt ein weißes Blitzlicht mit einer Reichweite von 17 Seemeilen. Slītere liegt inmitten eines Nationalparks, der für seinen alten Küstenwald aus Kiefern, Linden und Eschen bekannt ist. Der Turm ist in der Saison für Besucher geöffnet und kann bestiegen werden; der Blick über den Waldgürtel und den Meerbusen ist eindrucksvoll.
3. Leuchtturm Ovīši, Ovīši
Der Leuchtturm Ovīši liegt an der westlichen Küste Lettlands, nahe dem kleinen Fischereiort Mazirbe, und ist der älteste aktive Leuchtturm des Landes. Er wurde 1814 erstmals in Dienst gestellt, der heutige Turm datiert auf 1863. Der weiß gestrichene Backsteinturm ist 38 Meter hoch und zeigt ein weißes Blitzlicht mit einer Reichweite von 17 Seemeilen. Er warnt vor dem flachen Küstensaum und den Sandbänken vor der kurländischen Küste. Ovīši ist heute ein kleines Leuchtturm-Museum; man kann den Turm besteigen und die historischen Ausstattungsgegenstände besichtigen. Der Ort ist mit dem Auto von Ventspils oder Talsi aus in etwa einer Stunde zu erreichen.
4. Leuchtturm Akmeņrags, Akmeņrags
Der Leuchtturm Akmeņrags — zu Deutsch etwa 'Steinkap' — steht an der kurländischen Küste südlich von Pāvilosta und markiert ein Kap, an dem flache Felsriegel ins Meer vorstehen. Der Turm, errichtet 1879, ist ein rot-weiß gestreifter Backsteinzylinder von 26 Metern Höhe und zeigt ein weißes Blitzlicht mit einer Reichweite von 17 Seemeilen. Der Kap war historisch gefährlich für Schiffe, die entlang der lettischen Küste nach Liepāja fuhren. Das Leuchtturmgelände ist in der Saison zugänglich; in der Nähe gibt es einen Strand mit wenig Bebauung und einer wilden Dünenlandschaft, die diesen Teil der Kurischen Küste charakterisiert.
5. Leuchtturm Užava, Užava
Der Leuchtturm Užava steht an der Mündung des Flusses Užava, südlich von Ventspils, und diente traditionell dazu, Schiffen den Weg in den kleinen Flusshafen zu weisen. Der heutige Turm, ein schlankes weißes Betongebäude aus sowjetischer Zeit, ist bescheidener als die kaiserlichen Backsteinbauten, aber funktional und noch aktiv. Er zeigt ein weißes Blinkfeuer. Die Mündung des Užava ist typisch für viele lettische Flusseinfahrten: ein schmaler Kanal zwischen Sandbänken, der sich mit den Jahreszeiten verändert. Das Gebiet ist ruhig und wenig besucht; Camper und Angler schätzen die unberührte Küstenlandschaft.
6. Leuchtturm Mērsrags, Mērsrags
Der Leuchtturm Mērsrags markiert das Kap Mērsrags an der Einfahrt in den Rigaischen Meerbusen von Westen. Der rot-weiß gestreifte Turm wurde 1875 errichtet und ist 21 Meter hoch. Er zeigt ein weißes Blitzlicht mit einer Reichweite von 16 Seemeilen und rote Sektoren, die auf die Flachbank Mērsraga Bank hinweisen, eine der gefährlichsten Untiefen im westlichen Teil des Meerbusens. Mērsrags ist ein kleiner Hafen; der Leuchtturm steht auf einem Hügel über dem Wasser und ist von der Hafenpromenade aus gut sichtbar. Das Dorf ist mit dem Bus von Tukums aus erreichbar.
7. Leuchtturm Engure, Engure
Engure liegt am südöstlichen Rand des Kap Mērsrags, wo ein flacher Strandsee hinter einem Dünengürtel liegt. Das kleine Leuchtfeuer am Strand markiert die Einfahrt in den Fischerhafen von Engure. Es handelt sich um eine bescheidene moderne Anlage, keine historische Attraktion; ihr Wert liegt in der ruhigen Küstenlandschaft des Engure-Seenaturschutzgebietes, das zu den wichtigsten Vogelschutzgebieten Lettlands zählt. Engure ist ein ruhiges Dorf; eine Besuchszeit im Mai oder September, wenn die Zugvögel rasten, ist besonders empfehlenswert.
8. Leuchtturm Ragaciems, Ragaciems
Das Leuchtfeuer Ragaciems steht an einem weiteren kleinen Fischerdorf zwischen Jūrmala und Engure und ist eine der kleineren Anlagen der lettischen Küste. Der Turm ist ein weißes Betongebäude aus dem 20. Jahrhundert und zeigt ein weißes Blinkfeuer. Der Abschnitt der Küste zwischen Jūrmala und Mērsrags ist besonders flach und sandig; die Navigationshilfen hier richten sich hauptsächlich an Küstenfahrer und Fischer, nicht an Hochseeverkehr. Ragaciems ist als Badeort bekannt und im Sommer gut besucht.
9. Leuchtturm Liepāja Norden, Liepāja
Der Leuchtturm am nördlichen Eingang des Liepāja-Kanals steht an der Spitze des nördlichen Wellenbrechers des Hafens Liepāja. Die Stadt war im Zarenreich der drittgrößte Hafen des Baltikums und ein wichtiger Marinestützpunkt. Der Turm, ein schlanker Metallturm aus dem frühen 20. Jahrhundert, ist rot-weiß gestrichen und zeigt ein weißes und rotes Blinkfeuer, das den Einfahrtskanal markiert. Liepāja ist per Zug aus Riga erreichbar; der Leuchtturm ist vom Strandweg aus sichtbar, und das gesamte Hafengebiet mit seinen historischen Marineanlagen ist ein interessantes Industriedenkmal.
10. Leuchtturm Pāvilosta, Pāvilosta
Der Leuchtturm von Pāvilosta, einem kleinen Hafen- und Surferstädtchen südlich von Ventspils, steht am nördlichen Molo des Flusses Saka, der hier ins Meer mündet. Der weiße Turm ist eine bescheidene Anlage aus dem 20. Jahrhundert, etwa 12 Meter hoch, mit einem weißen Blinkfeuer. Pāvilosta ist bekannt für seinen windgepeitschten Strand und die Windsurfer-Community, die hier jeden Sommer zusammenkommt. Das Leuchtfeuer spielt für Sportsegler und Fischerboote noch eine Rolle; die Hafeneinfahrt ist schmal, und die Sandbänke verändern sich von Jahr zu Jahr.
Praktische Hinweise
Die beste Reisezeit für die lettische Küste ist von Mai bis September, wenn Temperaturen und Seegang für Ausflüge und Wanderungen einladen. Slītere, Ovīši und Kolka liegen alle im Slītere-Nationalpark und lassen sich gut kombinieren. Viele der Türme haben in den Sommermonaten reguläre Öffnungszeiten für Besucher. Wer alle lettischen Leuchtfeuer auf der Karte entdecken möchte, findet sie auf Karte öffnen.